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Das Ding ist noch nicht durch

Interview: Von Karani Kutlu mit Dreifach Weltmeister Frank Stäbler

Frank, Sie sind dreifacher Weltmeister im Ringen geworden. Und das in drei unterschiedlichen Gewichtsklassen. Ihr Ziel ist Olympiagold. Wie motiviert man sich da für ganz normale Bundesligakämpfe?

In der normalen Bundesligarunde fällt es mir unglaublich schwer, aber in der Endrunde ist es das Ringen, für das ich lebe. Tausende Zuschauer, extreme Spannung liegt in der Luft und es macht einfach Spaß. Mit meiner Vorgeschichte steht man natürlich immer im Fokus und ein gewisser Erwartungsdruck erschwert es manchmal, den Sport genießen zu können. Aber das betrifft auch jedes einzelne Training. Ich habe ein Vorbild: Muhammad Ali. Der hat mal gesagt: „Ich bin Weltmeister geworden weit weg vom Rampenlicht. In dem einsamen kalten Gym, da musste ich mich mehr motivieren.“ Ähnlich versuche ich das auch zu sehen und mich stets zu motivieren. Egal ob Liga oder Olympia.

Auf dem Weg zum letzten WM-Titel lagen Sie in jeder Begegnung zurück und im WM-Finale mussten Sie gar gegen den Lokalmatador Balint Korpasi und 8000 ungarische Fans ankämpfen. Wie schafft man es, dagegen zu halten?

Ich habe mir das lange vorher ausgemalt, im eigenen Land gegen den Lokalmatador vor ausverkauftem Haus zu kämpfen und ihn zu schlagen. Das habe ich meinen Trainern auch vorher so gesagt und die haben mich stets gepusht, meine Träume zu verwirklichen. Ich hatte keine Angst davor, denn ich wollte Geschichte schreiben. Die Situation hat mich mehr motiviert als daran kaputt zu gehen.

Wie kann man sich Ihre mentale Vorbereitung vorstellen und können das auch Nichtsportler übernehmen?

Ja natürlich können das auch Nichtsportler übernehmen. Ich halte selbst viele Motivationsvorträge und vertrete die Meinung, dass die Assoziation von Leistungssport und Business oder Beziehungen immer die Gleiche ist. Wenn man nach Großem strebt oder große Träume hat, muss man immer die gleiche Einstellung oder Ideale ans Tageslicht bringen und einsetzen. Somit kann diese Einstellung jeder lernen. Das ist an einfachen Dingen messbar: Aus jeder Situation das Beste machen, nicht negativ denken. Sich daran orientieren, was gut ist und nicht damit beschäftigen, was schlecht läuft.

2020 wollen Sie ihre internationale Karriere – am besten mit Olympiagold – beenden. Doch bei Ihrem Normalgewicht von 75kg müssen Sie 8kg Gewicht reduzieren um in der 67kg-Klasse starten zu können. Ist dasüberhaupt zu schaffen und wäre es nicht Einfacher, in der 77kg-Klasse zu starten?

Ich weiß es leider noch nicht. In zwei Wochen habe ich die Gespräche mit den Ernährungsberatern, dem Bundestrainer und allen, die mich dabei unterstützen werden. Wir werden uns zusammensetzen und das Projekt „67“ angehen. Theoretisch ist es unmöglich, soviel abzunehmen und Leistung zu bringen, aber mein Coach meint, ich bin der Mann für die unmöglichen Dinge. Deswegen gehen wir es auch an. Fest steht, dass ich nicht weiß, wie es gehen soll, aber ich weiß, dass es passieren wird. Deshalb bleibe ich auch hier positiv. In der 77kg Klasse kommen die Jungs von 82-85 kg runter und das sind einfach Welten. Ich möchte Olympiasieger werden und das ist in 77kg noch unmöglicher.

Im Ausland sind Sie viel bekannter als in Deutschland. Boris Becker, Steffi Graf und Michael Schumacher sind mit dem Erfolg in ihrem Sport zu deutschen Idolen geworden. Sie gehören mit Ihren Erfolgen zweifelsohne dazu. Was fehlt dem Ringsport, um ähnlich öffentliche Aufmerksamkeit zu erhalten?

Ja das stimmt absolut. Einerseits ist es traurig, andererseits ist es auch eine Herausforderung. Mit meinem dritten WM-Titel habe ich jetzt wirklich große mediale Aufmerksamkeit erhalten, was speziell für mich, aber auch für den Ringsport, allgemein sehr wichtig ist. Aber um das weiter zu verbessern, müssen wir die breite Masse erreichen. Wenn die Bundesliga im Free-TV ausgestrahlt werden könnte, wäre das schon eine große Hilfe. Ich wünsche mir, dass auch meine Nationalmannschaftskollegen noch mehr Aufmerksamkeit erhalten, dann wäre es noch leichter.

Den Hinkampf im Halbfinale haben Sie mit Ihren Red Devils 15-10 gegen die Mainzer gewinnen können. Ist das Ding schon durch?

Nein, das Ding ist natürlich noch nicht durch. Jeder Kampf muss erst gewonnen werden. Auf dem Papier sind wir jetzt der große Favorit und haben die Chance. Aber jeder Kampf muss gekämpft werden und gerade beim Ringen in solchen Momenten, wo die Nerven blank liegen bei vielen, weil ein kalkulierter Sieg mit einer Schulterniederlage endet, kann alles umwerfen. Ich hoffe, dass wir das Ding nach Hause bringen werden aus Mainz, aber es wird nach wie vor ein heißer Tanz werden.

Sie waren mit Ihren Teams schon einige Male in Mainz. Was glauben Sie, was erwartet Sie am kommenden Samstag?

Ich hatte die Ehre, schon fünfmal im Halbfinale in Mainz kämpfen zu dürfen. Sie haben eine starke Atmosphäre und ein starkes Publikum hinter sich. Ich weiß, dass es kein einfacher Ort ist zu gewinnen und bin darauf eingestellt, werde deshalb mein Team darauf einstellen auf schwierige Bedingungen. Mit diesem Wissen versuche ich das als Vorteil zu nutzen und ich freue mich auf einen megageilen Ringerabend vor ausverkauftem Haus und mit einer geilen Ringershow.

Interview führte Karani Kutlu

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